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Gemeinde Soltendieck


  Samtgemeinde Bodenteich - Landkreis Uelzen - Lüneburger Heide

18.11.2007: Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Es ist in Soltendieck guter Brauch, sich am Volkstrauertag zu einer Gedenkstunde am Ehrenmal in der Schulstraße einzufinden.

Mit dabei sind Abordnungen des Gemeinde-rates, des Sozialverbandes Deutschlands und des Schützenvereins, die jeweils einen Kranz am Ehrenmal niederlegen. Es hatten sich auch wieder zahlreiche Bürger eingefunden.

Den musikalischen Rahmen gestaltete der Posaunenchor Bodenteich unter der Leitung von Christel Ritzer.

Frank Siemon aus Soltendieck ging in seiner bemerkenswerten Gedenkrede auf den Sinn eines solchen Tages ein.

Hier ist die Rede im Wortlaut:

Volkstrauertag - was ist das eigentlich?
Irgendein grauer Sonntag von vielen oder doch ein besonderer Tag? Kann der Mensch auf Kommando, gewissermaßen vom Terminka-lender verordnet, Trauer tragen?
Wohl kaum.

Dennoch - liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger - hat der Volkstrauertag seine Berechtigung, ist notwendig und auch sinnvoll. Der Tag selbst hat eine lange und bewegte Vergangenheit. Seit 1952 begehen wir in Deutschland den Volkstrauertag als Gedenktag für die Opfer beider Weltkriege, aber auch für die Opfer von Willkür, Gewalt, Unmenschlichkeit und rücksichtslosem Machtstreben.

Die Erinnerung an eine leidvolle Vergangenheit ist nicht nur Mahnung, sondern sollte auch Herausforderung für jeden Einzelnen von uns sein.

"Das ist lange her, was hab‘ ich damit zu tun?”, wird sich heute gerade mancher junge Mensch fragen.

In der Tat:
Die Zahl derer, die den Krieg noch aus eigenem Erleben kennen, wird immer kleiner. Das ist ein Glück, aber auch eine Gefahr. Denn je größer die zeitliche Distanz, desto größer ist auch die Gefahr der Verharmlosung oder gar des Vergessens.

Gedenktage können daran wenig ändern, schon gar nicht, wenn sie nicht das Herz der Menschen erreichen. Die jüngste Diskussion um Erhalt oder Streichung deutscher Feiertage, speziell des Tages der Deutschen Einheit, aber zeigte, dass Menschen Feiertage brauchen. Deshalb müssen wir aber unbedingt ihren Sinngehalt pflegen und am Leben erhalten und sie nicht allein als willkommenen zusätzlichen Urlaubstag auf der heimischen Couch vertun.

Dazu machen wir uns bewusst:
Das Anliegen des Volkstrauertages ist nicht allein vergangenheits-orientiert, sondern auch tagesaktuell.
Fast täglich erleben wir neu, welch ein empfindliches, zerbrechliches Gut der Friede ist. Machtgier und Hass, religiöser Fanatismus, Druck und Gegendruck - oft genügt nur ein Funke, um ein neues Feuer der Gewalt zu entfachen. Ganz gleich ob im Irak, in Palästina oder Israel. Das bereitet Sorge. Die Art der Kriegführung, die Behandlung von Gefangenen oder auch praktizierte Verhörmethoden erinnern an längst überwunden geglaubte Barbarei. Mühsam erkämpfte Konventionen und Regeln scheinen zu bröckeln. Gerade da, wo internationaler Terrorismus wahllos Menschen tötet, verletzt und verschreckt, vermissen wir längst jedes ethisch-moralische Tabu. Die Medien führen es uns täglich neu vor und geben uns das beklemmende Gefühl der Machtlosigkeit.

Der Friede ist aber nicht nur in der Tagesschau, in den TV-Reportagen aus den Krisengebieten und Unglücksherden der Welt in Gefahr.
Der Friede ist auch im Kleinen keine Selbstverständlichkeit, sondern er braucht Menschen, die ihn stiften – in der Ehe, in den Familien, in Vereinen und Gruppen.

Dort liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sind wir nicht machtlos.

Die Impulse zu einem friedlichen Miteinander müssen vom Herzen und vom Kopf ausgehen: Innehalten, Gedenken, das eigene Verhalten hinterfragen ist dazu unerlässlich. Der Volkstrauertag bietet diese Chance.

Wir wollen uns nichts vormachen: Wir alle sind keine Weltverbesserer. Wir können die Wunden dieser Welt nicht heilen, aber wir sind für diese Welt mitverantwortlich. Jeder von uns ein Stückchen.

Und dieser Mitverantwortung muss jeder für sich gerecht werden. Das bedeutet auch, die eigenen Interessen, das eigene Vergnügen und den eigenen Spaß, dem viele Menschen heute offenbar als das Maß aller Dinge im Leben nachjagen, einfach mal zurückzustellen. Partys, Fun, Comedy-Trallala und Eventmarathons sind eben nicht alles. Wer das erkennt, hat plötzlich mehr Raum und Zeit für wirklich maßgebliche Dinge, für neue Schwerpunkte und für Werte, auf denen unser Zusammenleben in einer christlichen Gesellschaft aufbaut:

Mehr Achtung, mehr Verständnis, mehr Hilfsbereitschaft, mehr Verantwortung für den Mitmenschen - das sind Bausteine einer besseren Welt, die jeder von uns mit zusammentragen kann.

Nur wer insofern Frieden mit seiner eigenen kleinen Welt schließt, darf vom Frieden in der großen Welt träumen.

Ich denke, diese Maxime sollte nicht allein für den Volkstrauertag gelten, sondern für jeden Tag. Dann war auch das Schicksal der zahllosen Opfer, von Krieg, Gewaltherrschaft, Vertreibung und politischer Willkür nicht vergeblich.

Nun wollen wir uns erinnern

  • an die, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben ließen,

  • an die, die in Gefangenschaft gerieten und nicht mehr heimkehrten.

  • Wir gedenken der Menschen, die Opfer der Diktatur wurden, wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung oder nur, weil sie einer anderen Rasse angehörten.

  • Wir gedenken der Toten, die bei Flucht und Vertreibung ihr Leben ließen,

  • Wir gedenken der Opfer des Bombenkrieges in Deutschland und in aller Welt,

  • unser Erinnern richtet sich aber auch auf die, die Widerstand leisteten und ihre Courage mit dem Leben bezahlten.

Verneigen wir uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Toten, die für uns ihr Leben ließen.

Bilder: JZ

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